Einsatztaktik
Jüngstes Buch zum Thema, Hacksteins Einsatztaktik (Hrsg. Flake, Runggaldier), verlegt durch S+K im praktischen „kompakt“-Taschenbuch-Format, ließt sich rasch und ist angenehm geschrieben.
Inhaltlich wird aus der rettungsdienstlichen Sichtweise betrachtet, was durch das Titelfoto, eine Szene aus dem Sanitätsdienst, nicht klar zum Ausdruck gebracht wird. Besagtes Bildnis unterstreicht andererseits auch die Praxisnähe des Verfassers, zeigt es doch uneinheitlich gekleidete Helfer und untersetzte Führungskräfte. [Anm. der Kommentar bezieht sich auf das Cover der Erstauflage von 2006]. Das Inhaltsverzeichnis handelt die obligatorischen Themenblöcke Führungslehre, Einsatzlehre, Gefahrenlehre und Führungsausbildung ab. Sehr erfrischend kommen zwei Fallstudien hinzu, die eine sinnvolle Klammer um die theoretischen Ausführungen setzen.
Das leidige oft bis zum Exzess ausgebreitete Thema der Abhandlung unterschiedlicher Führungsstile ist hier endlich einmal im genau richtigen Umfang aufgegriffen – eine kurze Einführung. Diese beschränkt sich auf die für die Führung vor Ort wirklich relevanten Themen, steht doch für den Interessierten umfangreiche weiterführende Fachliteratur zur Verfügung.
Wie leider auch in fast allen Vergleichswerken wird der bayerische Leser durch die Begriffsvermischung SanEL / ÖEL irritiert (in Bayern sind dies unterschiedliche Hierarchiestufen) [S.21]. Das mittlerweile stark verbreitete Konstrukt des Einsatzleiters Rettungsdienst wird nicht erwähnt. Gut dargestellt (in UHRscher Tradition) wird hingegen das Aufgabenspektrum des ersteintreffenden Rettungsmittels. Sicherlich zu unterstützen ist dabei die Forderung, die Rettungsmittel mit einer einheitlichen Kennzeichnungsweste für das ersteintreffende Fahrzeug auszustatten. Die Umsetzung erscheint jedoch schwerlich
praktikabel. Abzulehnen ist in jedem Fall diese Kennzeichnung wie vorgeschlagen analog OrgL / LNA mit entsprechender Beschriftung zu gestalten, hier wäre ein Durcheinander vor Ort vorprogrammiert [S. 49].
Die Hinweise auf operative Umsetzung könnten umfangreicher sein, sehr zu Gute gehalten werden muss jedoch, was beileibe nicht selbstverständlich ist, dass überhaupt praktische Handlungsempfehlungen gegeben werden.
Sehr zu bemängeln ist die Ausführung zum Punkt Sichtung. Neben anderen Modellen wird die konsensus-verabschiedete bundeseinheitlich verwendete DRK Anhängekarte nicht vorgestellt, die in Deutschland durchaus das meistverwendeten Registrierungsmodell darstellt. Weiterhin dürfte in einem Mitte 2006 erschienen Buch dürfte (m)STaRT / nichtärztliche Sichtung nicht fehlen. Auch wird die Triage Thematik an unterschiedlichen Stellen aufgegriffen, eine kompakte Einführung hätte sicherlich dazu beigetragen, die Bedeutung der Registrierung im MANV stärker hervorzuarbeiten [Vgl. S. 34, S.42]
Natürlich darf der Komplex Gefahrenlehre nicht fehlen, ob jedoch fast 25% des Inhaltes unter dem speziellen Schwerpunkt Einsatztaktik ungedingt notwendig sind, sei dahingestellt. Zur Ausgewogenheit der Gliederung wäre hier der Wunsch, den Punkt Einsatzlehre stärker auszubauen, der größte Block Führungslehre nimmt im Verhältnis zu diesem eine dominierende Rolle ein.
Abschließend bleibt neben den dargestellten kleineren Mängeln nur ein Resümee: solide, prägnant, orientiert am Bedarf des Fahrdienstens – in jedem Fall das beste Preis-Leistungsverhältnis am Markt
Buch auf Lehmanns