Rette mich ein bisschen. Ein Sanitäter Roman.

„Rette mich ein bisschen“ ist eine amüsant düstere Zustandsbeschreibung des
Rettungsdienstes. Sprachlich rangiert das Büchlein, das sich rasch liest,
zwar nicht unbedingt in der literaturnobelpreisträchtigen Liga, dennoch passen
die Worte recht gut zur Geschichte.

Gunnar arbeitet im Rettungsdienst (ich vermute, er ist ein Rettungsassistent,
der auf einer RS-Stelle fährt, da hierüber gelegentlich differente Aussagen getroffen
werden.). Der Protagonist steht im Konflikt von Freud und Leid, die die Branche mit
sich bringen. Die Kollegen sind Proleten, die Vorgesetzten dubios, die Bezahlung ist
unangemessen, die Notärzte meist inkompetent, die Einsätze eher schmuddelig denn heroisch
lebensrettend und die ehrenamtlichen Dummschwätzer kosten ihn den letzten Nerv.

Der Autor hat selbst zeitweise im Rettungsdienst gearbeitet, ihm ist eine herrlich
kritische Situationsanalyse als Drahtseilakt zwischen Spott, Anerkennung und nötigem
Ernst gelungen.

Die obligatorischen Selbstzweifel an Sinn und Unsinn der Arbeit werden elegant durch
ein privates Chaos abgerundet, das wiederum durch berufliche Kapriolen verstärkt wird.
Desillusioniert wird versucht, den alltäglichen Wahnsinn zu bewältigen.

Kleinere Schwächen wie der Umstand, dass der Hauptdarsteller mal Nichtraucher ist,
mal nervös qualmt, und literarische Querschläger, die wohl besser dem Lektorat zum
Opfer gediehen wären, sind verzeihbar und unterstreichen die innere Dialektik des
Sanitäters Gunnar.

Als nicht unangemessene Selbstkritik für Rettungsdiensterprobte und andere Profilneurotiker
ist diese Schreibe eigentlich ein Muss!

Präklinisches Management des Polytraumas

Excellente Fachliteratur, die sich spezifisch mit allen wichtigen Facetten des Polytrauma-Handlings
auseinandersetzt. Das Buch setzt ein sehr solides Basiswissen voraus. Um den Text flüssig lesen zu können,
muss die Fachterminologie einigermaßen gut sitzen, wobei der Leser nicht highbrow mit Begrifflichkeiten
überschüttet wird, sondern diese sinn- und maßvoll eingesetzt werden.

Die einzelnen Kapitel sind in sich abgeschlossen und können somit nicht nur im Gesamtzusammenhang,
sondern auch jeweils separat als Repetitorium zu den Besonderheiten dieses für den Rettungsdienst
in der Stadt nicht alltägliche Einsatzbild hervorragend gelesen werden.

Prägnant und kurzweilig werden wichtige Informationen zusammengefasst und verständlich dargestellt, wobei
weder zu tief auf Details eingegangen wird, noch Aspekte nachlässig behandelt werden.

Der Autor richtet sich vornehmlich an ärztliches Personal im Rettungsdienst, jedoch ist der Großteil
der Inhalte auch ohne Approbation von Interesse, sowohl in Bezug auf die theoretischen Hintergründe als
auch in Hinblick auf die praktische Umsetzbarkeit.

USP: wirklich außergewöhnlich ist das sehr umfangreiche Bildmaterial aus dem Realeinsatz, welches stets
in direktem Themenbezug mit didaktischem Hintergrund steht. Die Darstellungen geben auch Extremsituationen
unverblümt wieder, ohne sich dabei voyeuristischen Vorwürfen stellen zu müssen.

Der stattliche Anschaffungspreis für das Taschenbuch ist jeden Euro wert.